Umgestaltung Konrad-Adenauer-Platz

Altstadt-Atrium – Das Wiedenbrücker Landschaftsfenster
Trotz der relativ geringen Größe ist der Konrad-Adenauer-Platz eine bedeutsame Schnittstelle im Altstadtgefüge, an der sich bei der Durchquerung ein beeindruckender Perspektivwechsel vollzieht. Vom historischen Stadtkern kommend gelangt der Passant durch enge Traufgassen über steinerne Plätze zu dem dreiseitig gefassten Konrad-Adenauer-Platz. Der Blick schweift, durch das Gefälle und die einseitig geöffnete Bebauung geleitet, über den Emssee auf das Areal der Flora Westfalica. In Richtung des ehemaligen Gartenschaugeländes verändert sich das Raumgefühl des Betrachters unerwartet von behüteter städtischer Enge zu erhabener Aussicht über den sich öffnenden Landschaftsraum. Derselbe Effekt lässt sich auch in der Gegenrichtung erfahren. Dieses Erlebnis an der Schnittstelle im Übergang zwischen den kontrastierenden Bereichen ist von einer Spannung geprägt, die es zu inszenieren und erlebbar zu machen gilt.

Raumkonzept und Zäsur
Die Lage der Ausstattungselemente und deren Höhe verhindern bei der derzeitigen Gestaltung eine zusammenhängende Erlebbarkeit des Platzes und seiner Raumkanten. Die prägenden Sichtbezüge zwischen der Altstadt mit der St. Aegidius- Kirche im Zentrum und der nahegelegenen Steinhofbrücke sowie den baulichen Elementen des Parks sind unterbrochen. Mehrere Skulpturen, Bäume, Leuchten sowie der Brunnen liegen derzeit innerhalb der Sichtachse zwischen Kirche und Pavillon.

Der vorliegende Entwurf schlägt eine Neuordnung der platzprägenden Elemente vor, um eine breite Sichtachse zu erzeugen, die den Besucher führt und ihn die Nähe zwischen Altstadt und Park wahrnehmen lässt. Der Zebrastreifen als Übergang von der Altstadt wird näher an die nördliche Platzkante gerückt, so dass Passanten zwangsläufig die Sichtachse kreuzen. Zudem soll die entstehende Leitlinie zu einer Entspannung der Verkehrssituation beitragen, indem sie eine subtile Zonierung herbeiführt.

Auch die Differenzierung der Bodenmaterialien unterstützt die Ablesbarkeit der unterschiedlichen Nutzungsbereiche. Die Platzfläche ist von einer Pflasterung gerahmt, die das Material des zukünftigen Mühlenwalls aufgreift und so den Wall näher an die Altstadt führt. Hier finden sich die schnelleren Verkehrsströme wieder. Der innenliegende Platzbereich wird durch seine Ausstattung beruhigt und liegt nah am Eiscafé, das neben dem Brunnen maßgeblich zur Bespielung des Platzes beiträgt. Durch den Abbruch der Mauer wird der Vorplatz des Cafés Teil der Platzfläche, die sich zur Ems öffnet. Weitläufige Sitztreppen ermöglichen den Aufenthalt am Wasser und einen freien Blick auf den See.

Materialkonzept
Der Brunnen wird als wichtiges Element für die Belebung des Platzes erhalten. Er wird geringfügig versetzt, in seiner Höhe reduziert und zu einem Wasserband ergänzt. Die Brunnentechnik könnte auf diese Weise weiterhin für das Wasserband aus warmem Sandstein genutzt werden. Der Bronze-Musikant und der Wasserspeier werden erhalten und in eine zeitgemäße Gestaltung eingebunden. Der neue Brunnen liegt innerhalb eines Entwässerungsbandes, das den Tiefpunkt des Platzes formuliert und die Entwässerungseinrichtungen aufnimmt. Der nördliche Bereich in der Nähe des Eiscafés wird zum Aufenthaltsbereich und dient vorrangig als Verweilmöglichkeit für Passanten und Café-Besucher. Der südliche Bereich wird weitläufig frei gehalten und kann zur schnellen Querung genutzt werden.

Der neue Konrad-Adenauer-Platz wird von dem gerumpelten Altstadtpflaster grahmt, welches künftig für den Mühlengraben verwendet werden soll. Die innenliegende Platzfläche nimmt farblich Bezüge zu den naheliegenden Stadtplätzen auf und besteht aus Natursteinplatten in changierenden Grautönen. Auch die Einfassungen der Baumscheiben nehmen dieses Material auf, setzten sich jedoch durch ihre rau strukturierte Oberfläche vom Bodenbelag ab. Holzauflagen ermöglichen auch an kalten Tagen einen bequemen Aufenthalt. Eingefasst ist der Platz von einem Pflasterband aus Granit, in Anlehnung an die schmückenden Pflasterlinien des umgebenden Straßenraumes.

Drei hölzerne Mastleuchen spielen mit den strukturierenden Balken des Fachwerks und ergänzen die atmosphärische Baumbeleuchtung innerhalb der Baumscheiben.

Mehr zum Projekt auf:
www.nw.de